Aalen – Forschung und Industrie wollen Deutschland und Europa bei Hochleistungsmagneten unabhängiger machen. Dafür plädierte der nationale Expertenkreis Permanentmagnete bei einem Treffen in Aalen für ein eigenes Bundesprogramm, wie die Hochschule Aalen mitteilte. Angesiedelt ist der Kreis bei der Deutschen Gesellschaft für Materialkunde (DGM e.V.) sowie beim Fachverband Pulvermetallurgie. Die Leitung hat Prof. Dr. Gerhard Schneider von der Hochschule Aalen, sein Stellvertreter ist Dr. David Schuller von der ZF Friedrichshafen AG. Beim Treffen brachten Wissenschaft und industrielle Anwender gemeinsam konkrete Vorschläge für mehr technologische Souveränität vor.
Förderlücke in der Forschung
Als Ausgangslage nennt die Mitteilung eine heikle Abhängigkeit: China dominiere den Weltmarkt bei Förderung, Verarbeitung und Veredelung Seltener Erden für Hochleistungsmagnete nahezu vollständig. Die nationale Forschungsförderung habe sich in den vergangenen Jahren stark auf elektrochemische Speicher wie Lithium-Ionen-Batterien konzentriert. Die elektrische Maschine mit ihrem Magnetkreis, das zweite entscheidende Element der elektrischen Transformation, sei in den bisherigen Bundesprogrammen weitgehend unberücksichtigt geblieben.
Die Teilnehmer wünschen sich deshalb eine eng abgestimmte Initiative von BMFTR und BMWE, dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Ein solches Innovationsprogramm könne dazu beitragen, in Europa eine Magnetindustrie ohne chinesische Abhängigkeit und eine zuverlässige Wertschöpfungskette zu schaffen, die Krisen besser standhält. Nötig sei dafür starker politischer Rückenwind, damit Forschung und industrielle Praxis entlang der gesamten Kette wirksam zusammenarbeiten.
Stärken im Süden und Südwesten
Deutschland sei für ein solches Programm gut aufgestellt, hieß es. Vor allem im Süden und Südwesten sitzen demnach in bundesweit herausragender Dichte führende Magnetanwender, etablierte Unternehmen aus der Zulieferer- und Automobilbranche sowie exzellente Forschungseinrichtungen. Wie eng die Vernetzung ist, zeigte nach Angaben der Hochschule der Einblick in Infrastruktur und Labore im Aalener Forschungsgebäude. Schon die am IMFAA behandelten Themen belegten die hohe Kompetenz in der Region. Ein Bundesprogramm müsste deshalb nicht bei null beginnen, sondern könnte auf bestehenden Netzwerken aufbauen.
An dem Austausch zur Zukunft der Magnetforschung beteiligten sich neben den beiden Leitern auch Prof. Dr. Dagmar Goll (Hochschule Aalen), Dr. Katrin Witten (Projektträger Jülich (PtJ)) und Dr. Rosita Cottone (BMFTR).
Nachbetrachtung
Die Forderung ist nachvollziehbar, bleibt aber allgemein: Die Mitteilung nennt weder eine Summe noch einen Zeitplan, und eine Reaktion der beiden Ministerien steht nicht darin. Für die Region interessant ist der Hinweis auf die vorhandenen Netzwerke in Aalen und im Südwesten. Ob daraus konkrete Projekte werden, hängt von der Entscheidung in Berlin ab.






