Kocher-Jagst-Chronik

Crailsheim: Ökumenische Feierstunde zum Reformationstag in der Johanneskirche

Redaktion Kocher-Jagst-Chronik

Rathaus in Crailsheim - panoramio
Symbolbild: Crailsheim · Foto: qwesy qwesy, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons (Datei · Lizenz)

Stuttgart – Bei der ökumenischen Feierstunde zum Reformationstag in der evangelischen Johanneskirche in Crailsheim ging es um die Frage, wie Freiheit und Verantwortung für die Demokratie zusammengehören. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart teilte mit, dass Karin Schieszl-Rathgeb als Hauptrednerin sprach. Sie leitet im Bischöflichen Ordinariat die Hauptabteilung XI – Kirche und Gesellschaft.

Die Veranstaltung wird nach Angaben der Diözese seit Jahren begangen und findet im Wechsel in der evangelischen und der katholischen Kirche statt. Hintergrund ist die Geschichte der Stadt: Crailsheim zählte in der Reformationszeit zu den süddeutschen Orten, die bei der Verbreitung der neuen Glaubenslehre vorangingen, und schloss sich der reformatorischen Bewegung früh an. Franz-Josef Konarkowski, Pfarrer und zugleich stellvertretender Dekan auf katholischer Seite, hieß die Gäste willkommen und nannte den Abend ein „Hochamt ökumenischer Freundschaft“.

Stadtarchivar: Freiheit braucht Verantwortung

Stadtarchivar Folker Förtsch führte in das Thema ein. Er bezog sich auf die Station „Reformation und Demokratie“ des Crailsheimer Reformationswegs. Dabei führt sie Artikel 4 des Grundgesetzes an: „Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.“

Förtsch sprach über aktuelle Bedrohungen der Demokratie und darüber, dass bisherige Gemeinschaftsstrukturen auseinanderstreben. Er wandte sich dagegen, Freiheit nur als Freiheit des Menschen als Konsumenten zu verstehen, denn diese sei „nicht in einen größeren Zusammenhang eingebettet“. Individuelle Freiheit bedeute keine unbegrenzte Selbstermächtigung. Förtsch erklärte: „In einem Gemeinwesen bedarf es nicht nur der verfassungsmäßigen Begrenzung der Macht der Obrigkeit, sondern es bedarf genauso auch einer auf humanen Werten begründeten Verantwortung des Einzelnen“.

Drei Maßstäbe für Christen

Schieszl-Rathgeb knüpfte daran an. Evangelische und katholische Christen müssten heute gemeinsam fragen, was ihnen ihr Glaube für diese Zeit aufgebe. Demokratie beschrieb sie zunächst als Rücksichtnahme im Alltag, als Bereitschaft, „nicht jede Möglichkeit auszunutzen, nur weil ich es könnte“.

Sie nannte drei Maßstäbe: Geschichtsbewusstsein, Demut und Humanität. Geschichtsbewusstsein verstand sie als Verantwortung aus der Geschichte und als Fähigkeit, Muster der Entrechtung zu erkennen, die mit Sprache und Verachtung beginnen. Demut heiße, überzeugt zu handeln und dabei die eigene Fehlbarkeit nicht auszublenden. Christen gründeten Humanität zudem im Glauben an einen Gott, der Mensch wurde.

Die Rednerin forderte dazu auf, Quellen, die Sprache über Menschen, die Antworten künstlicher Intelligenz und die eigene Gewissheit zu hinterfragen. Ihre Botschaft an Christen fasste sie so: „Du bist frei. Aber du bist nicht allein. Du bist verantwortlich. Aber du bist nicht das Maß aller Dinge.“

Andreas Arnold, Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Crailsheim-Blaufelden, nannte die Feierstunde etwas Besonderes. Er dankte den Beteiligten, darunter den Schülerinnen der Musikschule für die musikalische Begleitung.

Nachbetrachtung

Dass beide Konfessionen den Reformationstag seit Jahren gemeinsam feiern, gibt dem Abend Gewicht. Die Rede verknüpft Glauben und Alltag, etwa mit der Frage, wie wir miteinander sprechen. Offen bleibt nach der Mitteilung, wie viele Menschen kamen und was aus den Anregungen vor Ort folgt.

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