Kocher-Jagst-Chronik

Bad Mergentheim: Stadtwerk Tauberfranken diskutiert über Geopolitik und Energie

Redaktion Kocher-Jagst-Chronik

Zwillingshaus and Hof-Apotheke, Bad Mergentheim, South view
Symbolbild: Bad Mergentheim · Foto: DXR, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons (Datei · Lizenz)

Tauberbischofsheim – Was geopolitische Konflikte für Energiepreise und Versorgung in der Region bedeuten, war das Thema einer Informationsveranstaltung des Stadtwerks Tauberfranken. Das Landratsamt Main-Tauber-Kreis teilte mit, die Veranstaltung habe am 26. Oktober im Bad Mergentheimer Reinhold-Würth-Haus stattgefunden. Die Einladung ging an Konzessions- und Partnerkommunen samt ihren Gremien sowie an Sonder- und Geschäftskunden.

Unter dem Titel „Wenn Geopolitik den Lichtschalter erreicht“ sprachen Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft, dem Mittelstand der Region und der kommunalen Energiebranche. Im Mittelpunkt standen die Folgen geopolitischer Veränderungen und von Handelskonflikten für Energiepreise, Inflation und Versorgungssicherheit. Zusätzlich ging es darum, welche Möglichkeiten Kommunen und Unternehmen in einem unsicheren Umfeld bleiben.

Stadtwerk-Geschäftsführer Paul Gehrig sagte: „Geopolitik erscheint uns oft weit entfernt. Bis sie bei uns ankommt, beim Gaspreis, beim Strompreis oder an der Zapfsäule.“ Die Veranstaltung sollte Orientierung geben und den Austausch darüber fördern, wie die Region verlässlich aufgestellt werden kann.

Keynote von Prof. Peter Bofinger

Den Auftakt machte der Volkswirt und langjährige „Wirtschaftsweise“ Prof. Peter Bofinger. Er erläuterte, welchen Einfluss geopolitische Entwicklungen, Handelskonflikte und politische Entscheidungen auf Energiepreise, Inflation, Versorgungssicherheit und den Standort Deutschland haben. Laut Bofinger zeigt sich: „Man sieht, wie stark die Energiepreise die Verbraucherpreise treiben.“ Es lohne sich, in erneuerbare Energien zu investieren, um Abhängigkeiten abzuschaffen.

Der Ausbau erneuerbarer Energien verringere nach Darstellung der Mitteilung die Abhängigkeit von Energieimporten und internationalen Märkten. Krisen und Störungen wichtiger Handels- und Transportwege wirkten sich dann weniger stark auf die Preise aus. Die Energieversorgung werde resilienter und gebe Unternehmen mehr Planungssicherheit.

Podiumsdiskussion zur Lage in der Region

Auf dem Podium übertrugen Bofinger, Ulrike Unterwandling (Vorsitzende des Aufsichtsrats der Ansmann AG), Carsten Liedtke (VKU-Vizepräsident und Vorstandssprecher der Stadtwerke Krefeld) und Paul Gehrig die volkswirtschaftliche Einordnung auf Unternehmen, Kommunen und Energieversorger. Die Moderation übernahm Ann-Kathrin Murphy vom Stadtwerk Tauberfranken, wo sie die Unternehmensentwicklung und Kommunikation leitet.

Diskutiert wurden die Ursachen der wirtschaftlichen Schwäche Deutschlands und die Folgen geopolitischer Unsicherheiten für Investitionen und Energieversorgung. Auch das Verhältnis von staatlicher Steuerung und Markt war Thema. Ein weiteres Thema war der Zielkonflikt zwischen Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Klimaschutz. Zur Sprache kam auch, welche Rahmenbedingungen es braucht, damit in Netze, Speicher, erneuerbare Energien und andere Infrastruktur investiert wird.

Unterwandling vertrat die Sicht eines weltweit tätigen Familienunternehmens aus der Region. Als Faktoren für Standortentscheidungen galten Energiepreise, gesicherte Lieferketten und verlässliche politische Rahmenbedingungen. Besonders betonte sie: „Wenn Parameter wie Energiepreise nicht planbar sind, ist es schwer, sich für Investitionen am Wirtschaftsstandort Deutschland zu entscheiden.“

Liedtke bezog die Debatte auf die kommunale Energiewirtschaft. Es ging um die langfristige Absicherung der Versorgung, den nötigen Ausbau der Infrastruktur und die Rolle eigener regionaler Erzeugung. Erneuerbare Anlagen und Speicherlösungen seien ein Weg aus der Abhängigkeit, ergänzte er. Die Dekarbonisierung biete kommunalen Versorgern die Möglichkeit, in neue Geschäftsmodelle einzusteigen.

Gehrig schlug die Brücke nach Tauberfranken. Für kleinere regionale Stadtwerke eröffneten die Veränderungen nicht nur Herausforderungen, sondern auch Chancen. Nähe zu Kommunen und Kunden, Kenntnis der regionalen Strukturen und kurze Entscheidungswege erlaubten passgenaue Lösungen. Neue Geschäftsfelder könnten bei erneuerbarer Erzeugung, Kooperationen mit Kommunen und Unternehmen und dezentralen Energielösungen entstehen. Zugleich müssten Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit gesichert und Investitionen wirtschaftlich tragfähig umgesetzt werden. Nach Gehrigs Worten gilt: „Versorgungssicherheit und eine starke regionale Wirtschaft sind Gemeinschaftsaufgaben.“

Die Runde zeigte laut Mitteilung, dass man volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen, unternehmerische Realität, kommunale Gestaltungsmöglichkeiten und den Ausbau der Energieinfrastruktur zusammen sehen muss. Das Stadtwerk wollte aktuelle Entwicklungen verständlich einordnen, Erfahrungen zusammenbringen und Impulse für künftige Entscheidungen geben.

Sachstand

Laut Bundesnetzagentur zielt das Energiewirtschaftsgesetz vor allem darauf ab, dass Strom und Gas jederzeit zuverlässig über die Leitungen bei allen Menschen ankommen. Die Behörde nennt mehrere Aspekte der Versorgungssicherheit: Die Netze müssen ihre Transportaufgaben erfüllen, ausreichende Erzeugungskapazitäten sind nötig, und die Netze müssen gegen Eingriffe Dritter abgesichert sein.

Wie eng Weltmarkt und Preise zusammenhängen, zeigt eine Mitteilung der Bundesnetzagentur zur Gasversorgung. Die Bundesnetzagentur beobachtet nach eigenen Angaben die Entwicklungen im Nahen Osten. Die Preiseffekte auf den Weltmärkten wirkten sich auch auf die europäischen Großhandelspreise aus. Wie sehr die Kunden diese Preise tatsächlich spüren und ob überhaupt, hänge davon ab, wie lange der Konflikt im Nahen Osten dauert, wie die Lieferanten ihre Energie einkaufen und was in den Verträgen steht.

Die Behörde stuft die Gasversorgung in Deutschland als stabil ein, die Versorgungssicherheit sei gewährleistet. Entscheidend sei ein Zusammenspiel von Pipelineimporten, Speichern, LNG-Importen, Infrastruktur und Nachfrage. Rückblickend schreibt die Bundesnetzagentur, der Wegfall der russischen Gaslieferungen habe die Funktionsweise des Gasmarktes in Deutschland stark verändert.

Nachbetrachtung

Der Abend nahm sich viel vor und blieb in der Mitteilung eher allgemein. Konkrete Projekte oder Vorhaben des Stadtwerks nennt sie nicht. Für Kommunen und Firmen wäre interessant gewesen, welche Schritte vor Ort aus der Debatte folgen. Dass Versorger, Wirtschaft und Gemeinden miteinander ins Gespräch kommen, ist trotzdem ein brauchbarer Anfang.

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